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Im Blickpunkt | 27.11.2019 | 16:00

Notaufnahme? Nur im Notfall

Zahlreiche Menschen kommen Tag für Tag in die Notaufnahmen der Krankenhäuser des Südtiroler Sanitätsbetriebes. In 60 Prozent der Fälle handelt es sich aber nicht wirklich um Notfälle. Dies führt zu längeren Wartezeiten und geht zu Lasten derjenigen, die dringend Hilfe brauchen. Heute (27.11.2019) stellte der Sanitätsbetrieb eine Informationskampagne für die Bevölkerung vor.

Notaufnahme? Nur im Notfall.ZoomansichtNotaufnahme? Nur im Notfall.

Das Problem ist nicht nur in Südtirol bekannt: Die Notaufnahme ist überfüllt, viele Menschen warten lange auf Behandlung. Unter anderem deshalb, weil sie im Grunde kein Notfall sind und nicht in die Notaufnahme gehören. Sie würden bei ihrem Arzt für Allgemeinmedizin („Hausarzt“) schneller behandelt. Um dieser Tatsache zu begegnen und die Menschen in Südtirol über das Thema zu informieren, startet der Südtiroler Sanitätsbetrieb eine Informationskampagne mit dem Titel „Notaufnahme? Nur im Notfall“.

„Es war mir von Anfang an wichtig, die Wartezeiten in den Notaufnahmen zu reduzieren. Gerade in einem so sensiblen Bereich wie der Notfallversorgung darf es nämlich keinen Zweifel geben, dass all jene, die wirklich der Hilfe bedürfen, auch sofort behandelt werden“, so Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. Um dies zu erreichen, wurde schon im Sommer ein Maßnahmenbündel geschnürt und vorgestellt, welches auf die Verbesserung der Betreuung in den Notaufnahmen zielt: „In allen Notaufnahmen, aber ganz besonders im Krankenhaus Bozen, gibt es eine lange Durchlaufzeit bei jedem Zugang, die wir halbieren wollen.“

Einer der Gründe hierfür ist, dass die Menschen mit leichten Beschwerden in die Notaufnahme kommen. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten werden mit Kodex ‚grün‘ oder ‚blau‘ eingestuft: „Die Folgen davon kennen wir alle – endlos erscheinende Wartezeiten, überfüllte Wartesäle, unzufriedene Patienten und Ärzte, die neben ihrer Hauptaufgabe – für lebensbedrohliche Notfälle sofort eingriffsbereit zu sein – noch unzählige andere Fälle betreuen müssen.“

Dazu kommt, dass Südtirol den Spitzenplatz hinsichtlich der Zugänge zur Notaufnahme, gemessen an der Einwohnerzahl, innehat. Auch die Zahl der Patienten, die die Notaufnahme ohne Diagnose verlassen ist hoch: in ganz Südtirol sind es 7315 Patienten im Jahr, über die Hälfte davon im Krankenhaus Bozen.

Generaldirektor Florian Zerzer betont, dass eine Maßnahme zur Verbesserung die Sensibilisierung der Bevölkerung ist: „Jeder Einzelne kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, die Notaufnahmen des Landes zu entlasten. Wir wollen die Menschen daran erinnern, dass die Notaufnahme nur im Ernstfall aufgesucht werden sollte. Für andere Gesundheitsfragen ist der Arzt für Allgemeinmedizin der erste Ansprechpartner. Dieser ist auch außerhalb der Öffnungszeiten der Praxis von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr an allen Werktagen und von 8.00 Uhr bis 10.00 Uhr an den Vorfeiertagen unter der Woche erreichbar. Auch an Wochenenden ist die basismedizinische Betreuung garantiert.“

Mario La Guardia, Primar der Notaufnahme am Krankenhaus Bozen und Pasquale Solazzo, Triage-Referent des Sanitätsbetriebes, kennen die Realität in den Notaufnahmen der Krankenhäuser des Landes bestens und bringen konkrete Beispiele für nicht-gerechtfertigte Zugänge: „Gerade geringere Beschwerden, wie z.B. Ohren- oder Halsschmerzen, aber auch eine einfache Erkältung oder Rückenschmerzen oder Sonnenbrand, Insektenstiche – all dies behandelt der Arzt für Allgemeinmedizin schnell und unkompliziert.“

Die Kampagne zielt mit dem Slogan „Notaufnahme? Nur im Notfall.“ darauf ab, dem Patienten/der Patientin bewusst zu machen, dass er bzw. sie selbst einen wichtigen Einfluss darauf nehmen kann, wie die Dienste der Notaufnahmen funktionieren. Wer sich die Frage stellt, ob seine Gesundheitsproblematik wirklich in die Notaufnahme muss, leistet bereits einen wichtigen Beitrag.

Das Kampagnenmotiv wird in den verschiedenen Diensten der Gesundheitsversorgung zu sehen sein, weiters über Zeitungsinserate, Außenplakate (SASA-Busse, Citylights des Landes) und Radiospots vermittelt. Auch die Fachkräfte des Sanitätsbetriebes stehen für vertiefende Infos für die Medien zur Verfügung. Die erste Phase der Kampagne ist bis Ende Jänner geplant.

Informationen für die Medien: Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen, Tel. 335 76 77 220

(MH)


Von links: Lukas Raffl, Florian Zerzer, Thomas Widmann, Mario La Guardia und Pasquale Solazzo Zoomansicht Von links: Lukas Raffl, Florian Zerzer, Thomas Widmann, Mario La Guardia und Pasquale Solazzo

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